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Die Werke der Sprache. Für ein neues Verhältnis zwischen Literaturwissenschaft und Linguistik (2008)
pp. 337-359
Abstract
Ohne Sprache ist keine menschliche Kultur, ist keine Wissenschaft möglich. Die Bindung an die Sprache überhaupt und an die Besonderheiten der einzelnen Sprache ist sicher in den einzelnen Disziplinen unterschiedlich ausgeprägt. Bei den Historikern, den Anthropologen oder den Juristen ist sie zweifellos stärker als in der Chemie oder der Geologie. In zwei Wissenschaften aus dem gesamten akademischen Kanon kommt der Sprache aber eine ganze besondere Rolle zu, weil sie in ihnen nicht nur Mittel, sondern zugleich Gegenstand der Forschung ist: das sind Literaturwissenschaft und Linguistik.1 Die Linguistik befasst sich mit den Eigenschaften sprachlicher Systeme, ihrer Entstehung, Entwicklung, Verarbeitung und ihrer Verwendung in der menschlichen Interaktion. Die Literaturwissenschaft befasst sich mit den Eigenschaften bestimmter sprachlicher Werke — Gedichten, Dramen, Erzählungen, und anderen; dies schließt nicht aus, dass auch andere Ausdrucksmittel als sprachliche eine Rolle spielen — Musik, wie im Kunstlied oder der Oper, Bilder, wie bei Comic Strip, Bewegungen und Gesten wie beim Theater. In beiden Wissenschaften aber geht es im Kern um Sprache. So wäre denn nichts natürlicher, als dass es zwischen den Vertretern beider eine enge Zusammenarbeit gäbe. In der traditionellen Vorstellung von Philologie war dies auch weitgehend der Fall; Germanistik, Romanistik, Anglistik, Slawistik — sie alle umfassten ganz natürlich die Beschäftigung mit der Sprache wie mit der Literatur.
Publication details
Published in:
Klein Wolfgang (2015) Von den Werken der Sprache. Stuttgart, Metzler.
Pages: 337-359
DOI: 10.1007/978-3-476-05420-3_13
Full citation:
Klein Wolfgang (2015) Die Werke der Sprache. Für ein neues Verhältnis zwischen Literaturwissenschaft und Linguistik (2008), In: Von den Werken der Sprache, Stuttgart, Metzler, 337–359.