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222849

Heidegger — Paul Valéry

Stellungen des Denkens im 20. Jahrhundert

Wiebrecht Ries

pp. 120-128

Abstract

Heideggers epochales Werk »Sein und Zeit« (1927) ist »der seiner selbst nicht bewußte Spiegel einer geschichtlichen und auch einer existentiellen Situation: der metaphysischen, sozialen und politischen Situation in Deutschland am Beginn des 20. Jahrhunderts« (S. Vietta). Das heißt, es ist der in phänomenologischer Sprache gefaßte Ausdruck einer total gewordenen Sinn-Krise wie sei Nietzsches Wort ›Gott ist tot‹ resümiert, und die sich in der von Max Weber diagnostizierten Entgöttlichung der Welt ebenso dokumentiert wie in den durch die literarische Moderne (Kierkegaard, Dostojewski) primär repräsentierten Phänomenen der Weltverlorenheit, Angst und Verzweiflung. Heideggers Denken der zwanziger Jahre, nach dem ersten Weltkrieg, ist aber auch der pathetische Ausdruck eines radikalen Aufbruchwillens aus einer als Verfallsgeschichte verstandenen Moderne zu einer neuen Entschlossenheit der Existenz im Sinne ihrer Selbstübernahme im Vorlaufen zum Tode, wie er aus der eschatologischen Struktur der Zeitanalysen von »Sein und Zeit« ablesbar wird.

Publication details

Published in:

Ries Wiebrecht (1992) Karl Löwith. Stuttgart, Metzler.

Pages: 120-128

DOI: 10.1007/978-3-476-03965-1_10

Full citation:

Ries Wiebrecht (1992) Heidegger — Paul Valéry: Stellungen des Denkens im 20. Jahrhundert, In: Karl Löwith, Stuttgart, Metzler, 120–128.