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204261

Das Sein, das Selbst, das Nichts

die Phänomenologie(n) der Existenz

Thomas Seibert

pp. 71-146

Abstract

»Versteht man mich?… Hat man mich verstanden?… ›Schlechterdings nicht! Mein Herr!‹« (KSA 5, S. 339). In dieser ironischen Wendung Nietzsches ist der Preis benannt, den die drei ersten ›existierenden Denken für ihren Bruch mit den überlieferten Formen und Gehalten des Wissens und der Moral zu entrichten hatten. Daß dieser Preis nicht nur im Ausschluß aus der akademischen Philosophie bestand, sondern mit der ganzen Biographie bezahlt werden mußte, ist eingangs schon dargelegt worden. Eingeräumt wurde dabei, daß die Außenseiterposition der ›existierenden Denker‹ nicht ohne Auswirkung auf ihr Werk geblieben ist: Der intellektuelle Aristokratismus und die gelegentlich schrille Rhetorik müssen auch als Reflex ihrer besonderen Lebenssituation verstanden werden. Der Rückgang von der abstrakten Subjektivität des ›Vernunftwesens überhaupt‹ zur konkreten Subjektivität der individuellen Existenz stellt freilich nicht nur einen Bruch mit dem Idealismus, sondern zugleich dessen — immanent überdrehte — Fortschreibung dar: Indem sie sich bewußt auf das unaustauschbare ›Eigentum‹ ihrer existenziellen Differenz berufen, radikalisieren sie im eigenen Denk- und Lebensweg die zuerst von Kant aufgestellte Bestimmung der Subjektivität, Zweck an sich selbst zu sein.

Publication details

Published in:

Seibert Thomas (1997) Existenzphilosophie. Stuttgart, Metzler.

Pages: 71-146

DOI: 10.1007/978-3-476-03999-6_2

Full citation:

Seibert Thomas (1997) Das Sein, das Selbst, das Nichts: die Phänomenologie(n) der Existenz, In: Existenzphilosophie, Stuttgart, Metzler, 71–146.